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Hilfe ich muss meine Wäsche selber waschen!

 

So in etwa lautete meine WhatsApp-Nachricht an meine Eltern, nachdem meine Gastmama Rosy das beiläufig am Donnerstag erwähnt hat. Da wir am selben Abend noch nach Quito gefahren sind, bin ich zunächst in Hektik verfallen, denn ich brauche einige der schmutzigen Klamotten für die erste Reise am Sonntag nach Mompiche. Zum Glück hat Rafa mir dann erklärt, dass ich meine Wäsche auch in dem Apartment in Quito waschen kann. Also habe ich alles in eine Tüte gepackt und mit auf die abenteuerliche Fahrt nach Quito genommen.

 

Das Problem (zumindest in meinen Augen): 6 Personen und nur ein normales Auto mit 5 Sitzplätzen. Wie das natürlichste der Welt musste ich mich also mit den zwei Cousinen und Fáti auf die Rückbank quetschen. Ich saß links außen und hatte so wenigstens die Möglichkeit mich anzuschnallen und mich ein wenig sicherer zu fühlen, denn der Verkehr hier ist das reine Chaos. Regeln werden nur halbherzig beachtet und die meisten schnallen sich nicht einmal an, obwohl das laut Gesetz Pflicht ist. Es wird ohne zu zögern am Steuer telefoniert oder WhatsApp geschrieben, während man auf der anderen Straßenseite fährt und ein paar LKWs überholt.

 

Nicht nur das mein Sitzplatz extrem ungemütlich war, ausgerechnet an dem Tag häuften sich die Unfälle auf meiner Strecke und wir brauchten statt knapp eineinhalb Stunden fast drei bis nach Quito. Anstatt dort jedoch erstmal zum Apartment zu fahren, sind wir erst noch Verwandte (das Brautpaar vom Samstag) besuchen gefahren. Erst nach mehrmaligem Telefonieren haben wir den Weg in das abgesperrte und von der Außenwelt abgeschottete Viertel gefunden. Darum ist eine riesige Mauer gebaut und eingelassen wurde man vom Sicherheitsdienst nur mit Voranmeldung durch die Bewohner.

 

Dort angekommen luden wir dann den Tisch ab, der wohl so eine Art Hochzeitsgeschenk war und mehr oder weniger ungesichert auf der Ladefläche des Pick-Ups rumgeschlittert war, ab und Rafa trug ihn gemeinsam mit dem Bräutigam hoch zur Wohnung, die noch komplett uneingerichtet war. Die Beiden waren dort erst am Montag nach der Hochzeit eingezogen und hatten direkt wieder arbeiten müssen, sodass nur Zeit für die Einrichtung des Nötigsten geblieben war. Uns wurde großzügig etwas Pizza angeboten, die leider Gottes furchtbar geschmeckt hat. Da war irgendein Zusatzstoff drinnen, der einen sehr komischen Nachgeschmack im Mund hinterlassen hatte, sodass ich ein zweites Stück freundlich ablehnte. Nach eine kurzem Pläuschchen ging es dann endlich zum Apartment. Dieses liegt im 9. Stock eines Hochhauses. Trotzdem dringt der Lärm der Straße unaufhörlich durch die dünnen Fenster. Obwohl ich wirklich todmüde war und es bereits nach Mitternacht war, schlief ich mehr schlecht als recht.

 

Am nächsten Morgen wurde ich um 10 Uhr geweckt. Dann wollte ich erstmal das Problem mit der Wäsche lösen, solange ich meine Mama noch per WhatsApp erreichen konnte, denn ich habe absolut kein Plan vom Wäsche waschen, weil sie das sonst Zuhause für uns alle macht. Ich habe ihr sogar Bilder von einzelnen Kleidungsstücken geschickt und fragen müssen, ob es in Trockner darf und ob ich das bügeln muss. Ich glaube sie war sehr amüsiert darüber. Eine weitere Schwierigkeit stellte dann die fast antike Waschmaschine da, die fast nur an und aus kennt, ebenso wie der Trockner. Einen Wäscheständer gibt es auch nicht und da nicht alle Sachen in den Trockner dürfen (vor allem da dieser nicht mal ein Schonprogramm oder ähnliches hat), müssen einige T-Shirts nun auf Stuhllehnen trocknen. Rafa war ganz überrascht, dass ich nicht alles ohne zu zögern in den Trockner schmiss und zeigte wenig Verständnis dafür, dass manche Sachen das nicht vertragen. Wenn ich das richtig verstanden habe, werden in dieser Familie eigentlich ausschließlich Dinge gekauft, die den Trockner überleben und alles was kaputt geht, wird halt einfach weggeschmissen.

 

Das Thema Wäsche wird mich glaube ich noch eine ganze Weile auf Trab halten, denn morgen geht es ans Bügeln. Wahrscheinlich kann das Bügeleisen auch nur an und aus und es wird dementsprechend mit meinem Talent zur Zerstörung sehr brenzlig um meine Klamotten stehen. Hoffen wir das Beste!

 

Heute sind wir den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen und später dann mit dem Auto gefahren, um einige Dinge für die Schule einzukaufen. Man hätte das Ganze sicherlich auch schneller erledigen können, aber ohne eine Liste und einen wirklichen Plan, was eigentlich gebraucht wird, ist es etwas chaotisch und braucht deutlich mehr Zeit. Passende Schuhe haben wir für mich leider nicht gefunden, da es nur ein Paar in meiner Größe gab und die einfach nicht an meine unförmigen Quadratlatschen passen wollten. Dann ging es in ein Schnellrestaurant mit Hühnchengerichten zum Mittagessen. Als ich die Cola oder besser gesagt den Becher voller Eiswürfel mit einem Schluck Cola bekam, hatte ich schon Angst, dass das Essen ebenso ausfiel. Glücklicherweise war das nicht der Fall und sowohl mein Burger als auch die Pommes stellten eine genießbare und ausreichend große Portion dar. Dann ging es weiter auf Shoppingtour und abschließend noch in das Krankenhaus, indem der Junge aus der Familie liegt. Er scheint mittlerweile wieder aus dem Koma erwacht zu sein, hat aber noch einige Schwierigkeiten mit der Koordination und dem Sprechen. Zusammen mit den drei anderen Mädchen warteten wir sehr lange in einem Wartebereich zusammen mit einigen anderen der Familie, die den Jungen besuchen wollten, bis Rafa und Rosy endlich zurück kamen und wir nach einigen kurzen Gesprächen endlich die Heimreise antraten. Dort konnte ich dann auch meine Mails abrufen. Dabei war eine Infomail mit einer Packliste und besonderen Regeln für die bevorstehende Reise nach Mompiche. Man darf einige Gegenstände, wie zum Beispiel Laptops und Ähnliches aus Sicherheitsgründen nicht mitbringen ebenso wie Dinge mit sentimentalem Wert. Mehrmals wurde in der Mail auf die während des ganzen Jahres bestehenden Verbote aufmerksam gemacht. Nichts war von der oft genannten südamerikanischen Lässigkeit zu spüren. Ich bin gespannt wie es dort ablaufen wird.

 

Ich habe nun auch Kontakt zu dem anderen Mädchen aus meiner Stadt. Alessandra kommt aus der Nähe von Boston und spricht beinahe fließend Spanisch, weil ihre Eltern aus Venezuela stammen. Zusätzlich hat sie die Sprache auch in der Schule gelernt. Ich glaube wir werden uns ganz gut verstehen.

 

Ich glaube dennoch, dass dieser Tag war ein kleiner Tiefpunkt war, denn ich bin immer noch erschöpft, da die Grippe immer noch nicht ganz ausgestanden ist. Mir geht es zwar besser mit den Medikamenten, aber gesund bin ich lange noch nicht und das scheinen die Leute hier weniger zu verstehen. Schonung bei Krankheit wird überbewertet und nur wenn ich ausdrücklich sage, dass ich wirklich ins Bett möchte und dass ich sehr müde bin, lässt man mich auch schon vor zehn Uhr schlafen gehen. Ich weiß, dass meine Gastfamilie es lieb und nett meint, aber im Moment wünsche ich mir einfach nur ein bisschen Ruhe und Pause vor der Rotary Reise, auf der Schlaf sicherlich auch Mangelware sein wird. Es gibt nun mal nicht nur Hochpunkte in einem Auslandsjahr und längst nicht alles läuft immer gut oder so wie man es gerade gerne hätte.

 

 

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