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Sprachcamp in Mompiche

Am Sonntag ging es um 6:30Uhr mit einem Kleinbus los in Richtung Mompiche. Dieser hatte die ganzen Dörfer nördlich von Quito abgefahren und alle Inbounds eingesammelt. Zu meinem Glück sind Alessandra und ich als letztes hinzugestiegen. Nur etwa eineinhalb Stunden später stiegen wir dann in einen größeren Reisebus um, in dem schon viele Leute aus Quito und der näheren Umgebung saßen. Etwas mehr als sechs Stunden fuhren wir nun durch die wunderschöne Landschaft Ecuadors. Es ging in Serpentinen stetig herunter, denn wir mussten von knapp 2800m auf Meereslevel herunterfahren. Ich saß mit Alessandra zusammen und es waren bereits viele Deutsche im Bus, die für gute Stimmung sorgten mit einer Musikbox. Ich traf meine Sitznachbarin Lina aus dem Flugzeug wieder und alle erzählten wie es ihnen bisher so ergangen war. So verging die Fahrt eigentlich wie im Flug und um kurz vor 2 waren wir als erste Gruppe bereits am Hotel. In der Lobby mussten wir dann noch eine Stunde warten, bis ein zweiter Bus von uns ankam, dann ging es zum absolut chaotischen Check-In. Der dritte Bus aus Porto Viejo fehlte immer noch und kam erst eine halbe Stunde zu spät an. Drei Rotarier riefen Namen gleichzeitig auf und es war beinahe unmöglich seinen Namen zu hören und zu verstehen, da doch einige Schwierigkeiten bei der Aussprache bestanden und es unheimlich laut in dem großen Raum war.

 

Nach einer geschlagenen halben Stunde hatte ich dann mein Armband, meine zwei Zimmerkameradinnen fehlten aber noch. Alessandra hatte ich schnell ausfindig gemacht, aber das dritte Mädchen blieb zunächst unauffindbar, deswegen holten wir uns auf Anweisung hin schon mal den Zimmerschlüssel, um das Zimmer zu beziehen. Wir hatten Glück und eines mit direktem Meerblick erwischt. Alessia aus den Niederlanden stieß kurz darauf zu uns. In den zwei großen Doppelbetten war mehr als genug Platz und wir alle freuten uns über die warme Dusche, da merkwürdigerweise viele Probleme mit warmem Wasser bei sich zuhause haben so wie ich auch.

 

Dann ging es zurück in die Lobby und wir erhielten die Zettel für den Spanischtest. Das waren Multiplechoice Fragen zu Grundlagen, verschiedensten Grammatikthemen und Textverständnis. Unterbrochen wurde das Ausfüllen durch die Begrüßung vom Rotary Präsidenten hier in Ecuador. Die wichtigsten Rotaryregeln wurden noch einmal auf Spanisch und Englisch wiederholt und mindestens einmal pro Minute viel der Satz: "Wir hoffen, dass es das beste Jahr eures Lebens wird!".

 

Es hieß nach dem Test werden wir in vier verschiedene Gruppen für den Sprachunterricht eingeteilt, damit dieser entsprechend dem Sprachniveau ist. Leider sagt ein Multiplechoice Test eher weniger über tatsächliche Sprachkenntnisse aus, als ein Test, bei dem man eigenständig etwas ausfüllen muss. Außerdem konnte man sich bei Bedarf untereinander beraten. Dementsprechend gab es in jeder Gruppe Leute die eigentlich kein Wort verstanden und Leute wie ich, die seit mehreren Jahren Spanisch lernen, sodass der Unterricht für beide Parteien wenig hilfreich war. Alle vier Gruppen gingen das gleiche Aufgabenheft durch. Die einen verstanden gar nicht worum es geht und die anderen langweilten sich, da sie die angesprochenen Basics schon konnten.

 

Noch am ersten Tag gingen wir kurz an den Strand und erkundeten ein wenig die wirklich idyllische Umgebung. Mit einigen anderen Deutschen saß ich bis spät abends noch am Pool und wir haben uns über all unsere Erfahrungen in der ersten Woche unterhalten und womit wir noch Probleme haben.

 

Essen gab es eigentlich immer in den verschiedenen Restaurants auf dem Gelände, meistens aßen wir im großen Buffetrestaurant wo es wirklich fast alles gab, was man sich vorstellen kann. Besonders das Süßspeisenbuffet war typisch ecuadorianisch und dementsprechend sehr vielfältig und groß. Selbst ich als Essensnörgler bin immer gut satt geworden.

 

Schon am ersten Abend stellte sich heraus, dass fast die Hälfte der Inbounds aus Deutschland stammt. Einerseits war das natürlich cool, weil man sich fast die ganze Zeit auf Deutsch unterhalten konnte, andererseits schränkte es aber auch den Kulturaustausch zu anderen Ländern irgendwie ein, weil man einfach aus Bequemlichkeit eher unter sich blieb. Das fand ich ein wenig schade.

 

Am nächsten Morgen hieß es um sieben Uhr Frühstücken und um acht Uhr Treffen in der Lobby für die Gruppeneinteilung für den Spanischunterricht. Die Einteilung fiel ähnlich chaotisch wie das Check-In aus und es dauerte ewig, bis wir endlich anfangen konnten. Unterricht ging inklusive einer Pause nur bis zum Mittagessen, danach hatten wir Freizeit.

 

Fast die gesamte Gruppe setzte mit Booten über auf die andere Seite der Bucht, wo sich der große Badestrand des Hotels befindet. Gemeinsam hatten wir viel Spaß im Wasser.

 

Abends trafen wir uns alle im japanischen Restaurant und haben dort nach dem Essen eine Misswahl veranstaltet. Zuvor hatten wir in unseren Unterrichtsgruppen jeweils eine Königin und einen König ausgewählt. Nach dem eher mittelmäßigen Essen, das nicht so ganz meinen Geschmack traf wurden dann die Sieger ausgelost. Martha aus meinem Distrikt in Deutschland gewann und bekam eine Schärpe als Preis.

 

Danach ging ich mit ein paar Anderen zur Abendshow zum Thema Geschlechterkampf. Diese war sehr witzig anzusehen und danach ging es relativ früh ins Bett.

 

Am nächsten Morgen ging nur noch ein Bruchteil der Gruppe zum Frühstück und es kamen längst nicht alle pünktlich zum Spanischunterricht. Ich glaube solche Dinge ändern sich nie, denn auch auf jeder Klassenfahrt kann man dieses Phänomen beobachten.

 

Mittwoch gingen wir nach dem Mittagessen wieder alle ins Wasser. Wir haben uns auch einige Bretter zum Wellenreiten ausgeliehen und hatten sehr viel Spaß dabei auf den großen Wellen zu gleiten. Am Abend habe ich mich mit einer kleinen Gruppe zum Karten spielen getroffen. Dabei hatten wir bis zur späten Abendstunde noch sehr viel Spaß.

 

Der letzte Tag begann wieder morgens mit dem Spanischunterricht. Dieser endete jedoch eine Stunde früher als die Tage zuvor, da wir uns noch für ein großes Gruppenfoto am Strand trafen. Danach ging es ein letztes Mal auf die andere Seite der Bucht zum Schwimmen ins Meer, bevor wir zu einem kurzen Tanzkurs zurück zum Hotel mussten. Der Animateur hat versucht uns Bewegungen beizubringen, die auf jegliche lateinamerikanische Musik passt. Dummerweise ging es dabei hauptsächlich um die Bewegung des Gesäßes und da ich ja bekanntlich einen Stock im Arsch habe, klappte das bei mir eher weniger gut. Viel Spaß hatten wir trotzdem. Beim anschließenden Gruppenfoto hatten die Rotary einen Prank organisiert und wir bekamen eine ganze Ladung Wasser über den Kopf geschüttelt. Da wir alle aber noch unsere Badeklamotten anhatten, war das nur halb so schlimm und wir springen einfach danach in den direkt daneben liegenden Pool und spielten Volleyball.

 

Am Abend nahmen wir an der Karaoke Show des Hotels teil und sorgten unter den restlichen Zuschauern für Stimmung mit Liedern wie "Dancing Queen". Abschließend gab es noch eine von Rotary organisierte Disco, bei der wir das zuvor gelernte anwenden konnten. Wie schon am Abend zuvor spielten wir noch Karten und holten uns vor dem Schlafen gehen noch einen Burger im Restaurant.

 

Aufgrund der unübersichtlichen Terminregelung bin ich auch am letzten Tag um Punkt 7 beim Frühstück gewesen. Als ich dann aber erfahren habe, dass wir erst um 11 Uhr die Zimmer verlassen müssen, war es eh schon zu spät. Ich habe mich also mit den wenigen anderen, die auch schon wach waren in die Lobby gesetzt und das WLAN etwas genutzt. Es gab nämlich nur dort kostenfreies WLAN, das eher bescheiden funktionierte, sobald mehr Leute sich eingeloggt hatten. Wir machten dann noch einmal ein Gruppenfoto vor dem Auschecken, was zum Glück deutlich schneller ging als das Einchecken. Beinahe pünktlich kamen um kurz nach zwei Uhr schon die Busse und es ging heimwärts.

 

Leider verlief diese nicht ganz ohne Zwischenfälle, denn kurz nach der ersten Rast platzte der Reifen hinten links am Bus. Ich saß quasi nur eine Sitzreihe vor dem Reifen und war echt froh, dass nichts schlimmeres passiert war. Fast eine Dreiviertelstunde lang sind wir in Schrittgeschwindigkeit zur nächsten Tankstelle getuckert wo der Reifen dann gewechselt wurde und wir unfreiwillig noch einmal 20 Minuten Pause hatten. Kaum war der Reifen wieder montiert ging es dann weiter. Wir kamen also deutlich später Zuhause an als geplant. Ich war um kurz vor 24 Uhr Zuhause und musste deswegen am Freitag auch nicht in die Schule.

 

Ganz davon abgesehen fehlt mir immer noch die Hälfte der Schuluniform, aber zumindest haben wir den Rock heute in die Änderung gebracht, das bedeutet es fehlen nur noch die Schuhe, die wir morgen kaufen werden.

 

Abschließend kann ich nur sagen, dass mir die Reise sehr gut gefallen hat, auch wenn die Organisation etwas chaotisch war und der Spanischunterricht mir nichts gebracht hat. Dafür habe ich aber viele neue Freunde finden können, die in ähnlichen Situationen wie ich gesteckt haben und habe so die Möglichkeit mich auch in Zukunft weiter mit ihnen auszutauschen. Es tut gut zu wissen, dass man nicht die einzige Person ist, die gewisse Alltagsprobleme hier meistern muss und die noch Probleme mit der ein oder anderen Sache hat, die nun einmal für die Kultur üblich sind.

 

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