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Mein erster Schultag

Am Sonntagabend überraschte mein Gastpapa Rafa mich mit einem kleinen alten Keyboard, dass seine Mutter im Keller gefunden hatte. Begeistert haute ich noch am selben Abend fleißig in die Tasten. Auch wenn das Keyboard zwei Oktaven weniger umfasst als ein Klavier und ich ein wenig Tricksen muss bei einige Liedern, habe ich es genossen nach mehr als zwei Wochen wieder spielen zu können. Dennoch bin ich zeitig ins Bett gegangen, denn am nächsten Morgen bin ich um kurz nach 5 Uhr aufgestanden.

 

Die Schule beginnt hier schon um 7:20 Uhr am Morgen und da wir etwas außerhalb wohnen, fahren wir schon um 6:50Uhr los. Bereits beim Anziehen merkte ich, wie frisch mein Montagsoutfit ist. Montags muss man die schickere Uniform mit Rock und Ballerinas tragen. Diese ist zwar nicht allzu hässlich, aber verdammt kühl für die hier herrschenden Temperaturen. Nach einem schnellen Frühstück ging es ausnahmsweise mal pünktlich aus dem Haus.

 

In der Schule angekommen traf ich einige Leute wieder, die ich bereits von der Quinziniera am Samstag kannte. Meine Klassenkameraden haben mich sehr freundlich aufgenommen. Die erste Doppelstunde (2 mal 40 Minuten) hatten wir Geschichte. Dummerweise hatte der Lehrer keinen Schlüssel für den Klassenraum, also zogen wir in die Bibliothek um. Im ganzen Raum verteilt saßen die meisten auf dem Boden. Ich hatte noch Glück und einen Platz auf der ausgelegten Puzzlematte ergattert, die zumindest ein wenig gemütlicher war, als der kalte Boden.

 

Dann erzählte der Geschichtslehrer quasi die ganze Zeit etwas und interessierte sich nicht wirklich dafür, dass die meisten Schüler nicht mal so taten, als würden sie zuhören. Es ging um die Geschichte Südamerikas und wie die Ureinwohner nach Amerika gelangt sind (Inkas, Majas, ...).

 

Die Stunde wurde jedoch früher beendet, da der erste Schultag für die Erstklässler war. 40 Minuten lang standen wir in Reih und Glied nach Geschlechtern und Klassen sortiert auf dem großen Sportplatz der Schule und hörten unzählige Reden von wichtigen Personen an der Schule. Des Weiteren wurde die Nationalhymne gesungen, sowie die Schulhymne. Alle deren uniform nicht korrekt saß oder die nicht exakt eine Armeslänge Abstand zu ihrem Vordermann hielten, wurde streng von den Lehrern gemaßregelt. Ich hatte Glück, dass das Mädchen vor mir Instruktionen gegeben hat, sodass ich keinen Ärger bekam. Diese Strenge stand im vollkommenen Gegensatze zu dem lockeren Unterricht. Am schlimmsten war an der Veranstaltung, dass wir keine Jacken über die Uniformen anziehen durften und ich mir den Arsch abgefroren habe. Besonders meine Füße waren danach Eisklötze, die erst wieder Zuhause aufgetaut sind, denn in den Klassenräumen war es ebenfalls sehr kalt.

 

Im Spanischunterricht ging es dann ähnlich gemütlich weiter. In den 80 Minuten Unterricht haben wir einen kurzen Text laut vorgelesen und den Inhalt zusammengefasst. Meine Stufe (segundo bachillerato) kann man eigentlich mit der 11. Klasse bei uns vergleichen und dementsprechend verwundert war ich über das niedrige Niveau, denn in meinem Spanischunterricht in Deutschland haben wir deutlich kompliziertere Texte in weniger Zeit besprochen. Generell ist das Unterrichtsklima sehr laut und chaotisch. Mir wurde ein Sitzplatz hinten zugewiesen und die meiste Zeit über kann ich wegen der Lautstärke kaum verstehen, was der Lehrer sagt. Dazu kommen noch die ungemütlichen Metallstühle, mit dem daran befestigten Tisch. Dieser ist leicht schräg, sodass so gut wie alle Sachen ständig drohen herunter zu rutschen. Die meisten Ecuadorianer lösen das Problem, indem sie einfach gar nichts auspacken, es sei denn der Lehrer fordert sie explizit dazu auf.

 

Im darauffolgendem Biologieunterricht, der nur eine Schulstunde lang war, haben wir erst über Chemie gesprochen, denn der Lehrer ist gleichzeitig auch Chemielehrer der Klasse. Dann haben wir dann doch noch einen kurzen Text aus dem biologiebuch gelesen bevor es endlich in die Pause ging.

 

Die verbrachte ich gemeinsam mit Emi, Cami und ein paar anderen aus meiner Klasse. Wir haben zusammen Karten gespielt und ich habe mich gut aufgenommen gefühlt. Leider geht die einzige Pause am Tag nur etwa 20 Minuten, danach mussten wir zum Matheunterricht. Die erste Stunde hat die Lehrerin nur damit verbracht über Gott und die Welt zu quatschen und nicht über Mathe. In der Zwischenzeit habe ich mir das Thema der Stunde kurz im Mathebuch angeschaut. Ich habe glücklicherweise erkannt worum es ging. Erst in der zweiten Stunde ging es dann tatsächlich um Mathe. Die Lehrerin hat aber quasi nur den Text aus dem Buch vorgelesen und erklärt wie es geht. Nicht einmal wurde eine Beispielaufgabe gerechnet oder ähnliches. Das fand ich etwas merkwürdig, denn so kann man Mathe kaum verstehen oder verinnerlichen. Wie auch schon die Stunden davor zollen die meisten der Lehrerin ohnehin nicht allzu viel Aufmerksamkeit.

 

Zum Abschluss des Tages hatte ich noch eine Doppelstunde Englischunterricht. In diesem entstand zum ersten Mal an diesem Tag eine Art Unterrichtsgespräch. Zwar war der Unterricht ähnlich unproduktiv, aber zumindest haben wir alle auf Englisch geredet und so kann man zumindest deshalb einen geringen Lerneffekt erwarten. Die Hausaufgaben habe ich bereits gewissenhaft erledigt und ich glaube mein vorheriges Hassfach wird eines meiner liebsten Fächer hier.

 

Insgesamt war der Tag trotzdem sehr anstrengend. mir fällt es vor allem schwer, dass man so wenige Pausen hat. Zwischen 7:20 Uhr und 14Uhr sind es gerade einmal die 20 Minuten nach der 5. Stunde. Die meisten Fächer waren zudem ziemlich langweilig und ich habe etwas Kopfschmerzen vom hohen Lärmpegel in dem kleinen Raum in dem mehr als 30 Schülerinnen und Schüler sitzen.

 

Die Montagsuniform
Die Montagsuniform
Die Uniform für jeden Dienstag und Donnerstag
Die Uniform für jeden Dienstag und Donnerstag
Die Uniform für Mittwochs und Freitags
Die Uniform für Mittwochs und Freitags

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