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Startschwierigkeiten

 

Direkt am Freitagnachmittag gab es für mich in diesem Moment unerfreuliche Nachrichten. Ich musste mein Bett verlassen, weil wir auf eine Geburtstagsfeier nach Quito eingeladen wurden, die noch am selben Abend stattfand. Eine Tochter einer Cousine meiner Gastmama hat ihren 18. Geburtstag gefeiert. Da mich meine Erkältung jeglicher Energie geraubt hat, war ich eher weniger begeistert von dem Unterfangen. Ich habe auch meiner Gastfamilie erklärt, dass ich mich wirklich nicht fit genug für eine Feier fühle. Die konnten mich aber nicht über Nacht allein Zuhause lassen, da wir wieder in dem Apartment in Quito übernachtet haben. Also musste ich wohl oder übel die Zähne zusammenbeißen, freundlich lächeln und mitkommen.

 

Der Geburtstag an sich war immerhin etwas ruhiger als die Quinziniera in der Woche zuvor. Zum Essen gab es sogar Pizza mit Salat. Dummerweise habe ich kein Stück Schinken-Pizza mehr abbekommen und musste mich mit der Variante mit Oliven zufriedengeben. Die Oliven, die ich für meinen Teil absolut nicht ausstehen kann, habe ich dann einfach runtergeschoben. Besonders habe ich mich über den frischen Salat gefreut und ordentlich zugeschlagen. Kleine Schokotörtchen zum Nachtisch hoben meine Laune noch einmal etwas an.

 

Wirklich gut ging es mir aber immer noch nicht und laute Musik und Kopfschmerzen vertragen sich nicht allzu gut. Meine Familie hatte aber Verständnis dafür und ich konnte mich nach dem Essen im Obergeschoss etwas hinlegen. Dort döste ich dann ein wenig vor mich hin, bis wir um kurz vor Mitternacht die Heimreise ins Apartment antraten. Dort machte ich mich nur noch schnell Bettfertig und schlief dann bis um 12:30 Uhr am nächsten Tag. Mein Körper hat den Schlaf dringend gebraucht.

 

Auf dem Rückweg hielten wir endlich an einem Supermarkt an, um Obst für mich zu kaufen, damit mein Immunsystem wieder auf Vordermann kommt. Jetzt haben wir jede Menge Äpfel und Bananen zuhause.

 

Als wir am Nachmittag wieder in Latacunga eintrafen, musste ich überraschend feststellen, dass meine Gastfamilie nicht wusste, dass man Äpfel nicht zum anderen Obst legt, weil sie die Reifung beschleunigen. So was muss man glaube ich einfach mit Humor nehmen. Ich habe es ihnen dann erklärt und die Äpfel stehen jetzt in einer anderen Schüssel auf dem Küchentisch.

 

Insgesamt wird gerade das Essen in nächster Zeit glaube ich das schwierigste Thema für mich. Meine Gastfamilie kann quasi überhaupt nicht kochen und ernährt sich beinahe ausschließlich von Fertigprodukten, die man nur noch aufwärmt. Aber eines muss man ihnen zu Gute kommen lassen: Seitdem ich ihnen am Donnerstag ausführlich erklärt habe wie wichtig Vitamine, Obst und Gemüse für meine Gesundheit sind, gab es zum Mittagessen immer Salat. Gestern hat meine Gastmama sogar Mandarinen mitgebracht und mir erklärt, dass die ganz viel Vitamin C enthalten und dass das sehr gut fürs Immunsystem sei. Das fand ich sehr süß und nett von ihr.

 

Der Montag war leider etwas stressig, weil wir direkt nach der Schule in der Stadt eben was Essen waren (ich hatte Spaghetti Bolognese und wirklich sehr glücklich darüber einmal kein Hühnchen mit Reis essen zu müssen) zu einer Schulfreundin gefahren sind, um eine Gruppenarbeit zu erledigen. Da wir außerhalb der Stadt wohnen, hätte es zeitlich nicht gepasst davor noch einmal Zuhause vorbeizufahren.

 

Wir waren bei Cami zu Besuch, deren Vater der Club Präsident vom Rotaryclub in meiner Stadt ist. Diesen habe ich auch kurz kennengelernt. Mit Cami, Emi und Alessandra ich (neben meiner Gastschwester natürlich) schon neue Freunde in der Klasse gefunden, mit denen ich auch gemeinsam die Pausen verbringe. Die Gruppearbeit war schnell erledigt, aber es dauerte verdammt lange bis Rosy uns endlich abholte. Um kurz vor 6 fuhren wir dann aber nicht direkt Nachhause sondern in die Stadt, um endlich meine fehlenden T-Shirts für die Schuluniform zu kaufen. Ich habe jetzt zwar zwei weiße Shirts für Dienstag und Donnerstag, aber die grünen für Mittwoch und Freitag fehlen immer noch, weil sie die in meiner Größe nicht mehr auf Lager hatten. Die werden erst in 8 Tagen geliefert. Dementsprechend muss ich noch mindestens eine Schulwoche aufpassen nicht erwischt zu werden, dass ich unter der Joggingjacke nicht das vorgeschriebene T-Shirt trage. Da es aber eh immer zu kalt ist, um die Jacke auszuziehen, wird das hoffentlich keine Probleme bereiten.

 

Nach diesem anstrengenden Tag ging es mir heute (Dienstag) wieder ziemlich schlecht am Morgen, denn die Erkältung ist noch lange nicht überstanden. Deshalb bin ich nicht in die Schule gegangen, sondern mit meinem Gastpapa zusammen zum Arzt. Wir sind dafür extra in den nächsten Ort gefahren, weil dort ein Rotarymitglied praktiziert. Er hat mich untersucht und mir Schleimlöser verschrieben, weil bei mir im Moment so ziemlich alles verstopft ist und ich deshalb tierische Kopfschmerzen und Druck auf den Ohren habe. Er hat mir erklärt, dass mein Körper offensichtlich stark mit dem Klima hier zu kämpfen hat. In Deutschland sind die Temperaturen über den Tag relativ konstant. Hier hingegen liegen während des Tages schon mal Schwankungen von über 10 Grad vor. Zusätzlich mit der für meinen Körper ungewohnten Höhe sorgt das für die hohe Anfälligkeit für Krankheiten. Da ich eh schon immer sehr empfindlich war und mich schnell erkälte ist das also nicht weiter verwunderlich. Der zusätzliche Klimawechsel von der Reise nach Mompiche und zurück hat das Ganze nicht unbedingt positiv beeinflusst. Es heißt also Zähne zusammenbeißen ich muss da halt jetzt durch bis ich endlich wieder gesund bin. Hoffentlich helfen die Tabletten wie versprochen und mir geht es schnell wieder besser.

 

Ich will endlich in den richtigen Alltag reinkommen und nicht mehr durch die Erkältung eingeschränkt sein.

 

 

Von links nach rechts: Alessandra, Ich, Fati, Cami und Emi
Von links nach rechts: Alessandra, Ich, Fati, Cami und Emi

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