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Judamento a bandeira – Ehrung der Flagge

Jedes Jahr ist am 26.09. der nationale Feiertag der ecuadorianischen Nationalflagge. Seit dem 26.09.1860 ist sie in Gebrauch. Es wird an die lange Geschichte der Flagge erinnert und in den Schulen eine Zeremonie abgehalten. Für diese Feier zur Ehrung der Flagge wird die Wochen zuvor fleißig in der Schule geprobt und es wird dafür ohne Zögern in Kauf genommen, dass währenddessen kaum richtiger Unterricht stattfindet. Für die Zeremonie musste man sein Montagsoutfit anziehen und alle Mädchen mussten einen Zopf tragen, mit Ausnahme der Mädchen aus der Abschlussklasse. Dafür durften wir zuvor am Montag die Kleidung vom Mittwoch anziehen.

 

Die Abschlussklasse (tercer bachilerato) schwört während der Zeremonie auf die Nationalflagge. Die 9 besten Schüler der Abschlussklasse wurden speziell geehrt und die besten drei trugen die Nationalflagge, die Flagge der Stadt und die Flagge der Schule. Diese Aufgaben inklusive der jeweils zwei Begleitungen sind immer heiß umkämpft in der Abschlussklasse. Die erhaltenen Auszeichnungen helfen bei der Bewerbung um einen Studienplatz, denn hier in Ecuador ist es deutlich schwieriger an guten Universitäten angenommen zu werden, da das öffentliche Bildungssystem zumindest laut Aussage meiner Gastfamilie sehr schlecht ist. Dementsprechend sind die teuren Privatunis hart umkämpft und selbst mit genügend Kapital ist es schwierig einen Platz in der gewünschten Uni zu bekommen. Dementsprechend stolz war meine Familie, dass meine Cousine Aleja den 4. Platz in ihrem Jahrgang gemacht hat und somit die erste Eskorte der Nationalflagge war.

 

Insgesamt war die etwas mehr als zwei Stunden lange Zeremonie sehr ernst und ausnahmsweise waren tatsächlich alle teilnehmenden Schüler sehr disziplinierten und alberten nicht wie bei den Proben herum. Ich war Teil der Schüler, die nur am Rand Spalier stehen mussten. Darüber war ich eigentlich ganz froh, denn es war quasi ausgeschlossen an dieser Stelle etwas falsch zu machen solange man einfach nur möglichst stillstand.

 

Die Abschlussklasse und die Banderinen (eine kleine Gruppe aus Schülern aus dem primer bachilerato und segundo bachilerato die jeweils eine kleine Flagge der Schule tragen) marschierten mit einer geübten Choreografie ein. Es wurden einige mehr oder weniger interessante Reden gehalten, die Nationalhymne gesungen, die Schulhymne gesungen, die Hymne der Flagge gesungen und die Schüler der Abschlussklasse schwörten einzeln auf die Nationalflagge. Das Ganze wurde im Rahmen einer komplizierten Marschchoreografie gemacht und dauerte dementsprechend lange. Die 9 Besten der Abschlussklasse bekamen Urkunden und Abzeichen überreicht.

 

Währenddessen musste ich nur die ganze Zeit still am Rand stehen. Das war ein bisschen langweilig, wenn ich ganz ehrlich bin, denn das ganze Prozedere wurde davor stehts zweimal am Tag in voller Länge geübt und verlor dementsprechend seinen Reiz.

 

Mit einer abschließenden Choreografie verließen alle Schüler den asphaltierten Basketballplatz, auf dem die Zeremonie stattgefunden hatte. Daraufhin folgte noch ein kleiner Sektempfang für alle Schüler der Abschlussklasse und ihre Familien. Dementsprechend waren Fáti und ich, sowie die kleine Schwester von Aleja für diese knappe Stunde vom Unterricht befreit und konnten auch einen kleinen leckeren Snack aus typisch ecuadorianischen Köstlichkeiten zu uns nehmen. Leider habe ich keine Bilder davon machen können, denn in der Schule muss man sein Handy jeden Morgen abgeben und bekommt es erst nach Ende des Unterrichts wieder. Meinen Sekt, den ich ja nicht trinken darf, reichte ich einfach an meinen Gastpapa weiter, der sich sehr darüber gefreut hat.

 

Wir mussten zwar dann wieder zurück in den Unterricht, aber da alle Lehrer ebenfalls bei dem Sektempfang waren und diesen nicht früher verließen, verbrachten wir die letzten beiden Stunden im Klassenraum, spielten Karten oder machten ein kleines Nickerchen. Es war also ein sehr entspannter Schultag und das erstaunlicherweise warme Wetter hat dafür gesorgt, dass ich mir diesmal in dem Rock nicht den Hintern abgefroren habe. Generell hat die Sonne bei mir für erheblich bessere Laune gesorgt.

 

Ansonsten war die Schulwoche relativ unspektakulär. Am Donnerstag und am Freitag habe ich in der Pause gemeinsam mit einigen Klassenkameraden Fußball gespielt. Da die Jungs hier im Verhältnis zu Deutschland relativ klein sind und zusätzlich etwa 2 Jahre jünger als ich, habe ich nicht einmal einen körperlichen Nachteil. Jetzt habe ich zwar tierischen Muskelkater, weil ich ja einen Monat quasi keinen Sport gemacht habe, aber darüber kann ich hinwegsehen, denn es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.

 

Am Mittwoch nach der Schule habe ich mir sogar endlich einen vernünftigen Föhn kaufen können. Ich hoffe, dass ich so meine Anfälligkeit für Krankheiten endlich in den Griff bekomme und jetzt gesund bleibe. Diese Woche war die erste in der ich komplett gesund war. Das ist echt mies, wenn man bedenkt, dass ich seit Freitag schon mehr als 5 Wochen hier bin. Das nächste Ziel für die kommende Woche ist bereits gesetzt: Ich möchte irgendetwas sportliches in meiner Freizeit machen. Die Möglichkeiten sind hier zwar begrenzt, aber ich bin zuversichtlich, dass sich was Passendes finden lässt.

 

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