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Beachtour 17.10.-21.10.

Die Anreise am Mittwoch im Bus war wie erwartet etwas langweilig. Nachdem wir wieder gemeinsam aus Riobamba, Ambato und Latacunga nach Alóag gefahren sind, um dort in den großen Reisebus umzusteigen, habe ich wenigstens Lina wiedergetroffen, die ich schon seit meinem Hinflug kenne, da sie da neben mir gesessen hat. Den größten Teil der Reise habe ich erfolgreich verschlafen und das sättigende Mittagessen bei KFC hat das Hungergefühl erfolgreich gesättigt. Wie ihr mich ja kennt ist eine ausreichende Ernährung für mich sehr wichtig, deswegen war ich sehr glücklich darüber, dass es ein ordentliches Mittagessen gab.

Als wir in Porto Viejo ankamen gab es wie immer ein wenig Chaos, aber tatsächlich ging das einchecken deutlich schneller als in Mompiche. Die Leute von Rotary haben uns mit Hilfe von Armbändern in vier Gruppen eingeteilt für alle weiteren Aktivitäten und haben tatsächlich unsere Koffer kontrolliert und nachgeschaut, ob niemand Alkohol dabeihat. Sie haben sogar die Wasserflaschen geöffnet in daran gerochen, ob es nicht doch Alkohol ist. Ich wurde auf ein Zweierzimmer mit Alessandra eingeteilt.

Nachdem alle da waren, gab es einen kleinen Snack und dann ging es noch in den Park von Porto Viejo. Dort haben wir uns einer großen Tanzgruppe angeschlossen. Solche öffentliche Sportaktivitäten sind hier sehr beliebt und es waren bestimmt über hundert Menschen die miteinander Zumba getanzt haben und den Anweisungen eines Trainers gefolgt haben. Einige Lieder haben einige der Austauschgruppe mitgemacht, dann ging es weiter zu einem See in der Mitte des Parks. Ich glaube er war künstlich angelegt, aber da bin ich mir nicht so ganz sicher. Spektakulär gab es extra für uns eine Licht-Installation mit „Herzlich Willkommen in vielen verschiedenen Sprachen und dem Rotary-Logo. Dort haben wir dann direkt noch ein Gruppenfoto gemacht, bevor wir in 2 Gruppen geteilt wurden (nach den Armbändern) und eine Runde mit einem Partybus gedreht haben. Wir saßen dabei auf dem Dach des Busses und ich hatte wirklich ernsthafte Sorgen runter zu fallen, weil ich dummerweise am Rand gesessen habe. Für meine Höhenangst war das genau das Richtige. Ich habe die Fahrt jedoch überlebt und es war eigentlich auch ganz lustig im Nachhinein.

Zurück im Hotel gab es ein mittelmäßiges Abendessen und danach noch einige Ansprachen von Rotary. Uns wurden mal wieder die Regeln gepredigt und wir wurden dazu angehalten, am nächsten Morgen pünktlich zum Frühstück zu erscheinen.

Am Abend haben wir nicht mehr allzu viel gemacht, weil wir alle müde waren. Ich bin am nächsten Morgen früh aufgestanden und war sogar noch Duschen und habe meinen Koffer gepackt, da wir am Abend in ein anderes Hotel am Strand eingecheckt sind.

Als erstes stand die Teilnahme an einem Umzug zu Ehren der Unabhängigkeit Porto Viejos an. Der Hacken an der ganzen Sache: wir mussten dort in langen Hosen und Rotary-Blaser hin und an der Küste ist es verdammt warm. In der Stadt angekommen, haben wir 2 Stunden in der Hitze gewartet, bis es überhaupt erstmal losging. Wir hatten zwar alle eine kleine Wasserflasche von Rotary bekommen, aber die war bei den meisten schon nach einer halben Stunde leer, weil es einfach viel zu stickig und zu warm war. Die Sonne hat uns die ganze Zeit auf den Kopf geschienen und die Hitze war sehr drückend und schwül. Nach der Warterei sind wir noch knapp 2 Stunden durch die Sonne gewatschelt, bevor es endlich wieder in den klimatisierten Bus ging.

Dann sind wir aber noch nicht zum Hotel gefahren, sondern erst einmal zu einem Kulturzentrum, wo es dann Mittagessen gab. Dort haben wir noch ein kleines Mausoleum besucht und Fotos vor der wunderschönen Aussicht gemacht. Eigentlich wollten aber alle einfach nur endlich ins Hotel, weil die Klamotten wirklich ausnahmslos durchgeschwitzt waren. Ich konnte meine Klamotten danach quasi auswringen. Immerhin hatten alle dasselbe Problem, so blieb wenigstens die Geruchsbelästigung aus. Es haben eh alle gestunken, denn das war unmöglich mit Deo zu retten.

Ich war sehr froh, als wir endlich wieder ins Hotel gefahren sind. Dort dauerte das Einchecken wieder etwas länger, da wir dieses Mal selbst die Zimmereinteilung bestimmen sollten und sowas führt bekanntlich zu Unmengen an Diskussionen. Am Ende war ich in einem 5er Zimmer mit einem Mädchen aus Taiwan, einer aus Japan, einer aus den USA und Marie aus Deutschland, die eine sehr gute Freundin von mir hier ist. Wir hatten wirklich Glück mit unserem Zimmer, denn es war in zwei Räume und ein Bad aufgeteilt. Ich habe mi Marie in dem einem Zimmer im Doppelbett geschlafen und die anderen drei im Etagenbett im anderen Zimmer. Das Beste allerdings war der große funktionierende Kühlschrank in diesem Zimmer. Wir waren glaube ich die Einzigen, die einen hatten und wir konnten so Trinken kühlen und Essensreste von den Snacks, die wir immer mal wiederbekommen haben, lagern. Das war echt praktisch.

Wir waren alle erleichtert nun am Abend endlich am Strand zu sein, nach dem anstrengendem Tag. Es war leider schon spät am Abend, sodass wir nach dem Abendessen (leckeren aber leider kalten Spaghetti) relativ schnell ins Bett sind, natürlich nicht ohne vorher ausgiebig zu Duschen.

Am Freitag hatten wir einen entspannten Tag am Hotel und am Strand direkt vor dessen Tür. Es gab ein Programm, bei dem man mitmachen konnte, es aber auch sein lassen konnte. Wir haben beim Erste-Hilfe-Kurs mitgemacht bei der anschließenden Strandolympiade allerdings dann nicht mehr, da ich und meine Freunde nicht allzu Lust darauf hatten durch den Sand zu robben. Es war relativ kalt an diesem Tag, sodass wir uns lieber geduscht und angezogen haben nach einem kurzen Bad im kalten Wasser, damit wir nicht krank werden. Danach gab es bereits wieder einen Snack und kurz darauf schon Mittagessen. Das Essen im Hotel war nicht allzu lecker und nur selten noch warm. Generell hatten die Sachen kaum Geschmack und man musste ordentlich nachwürzen, damit es essbar war. Zum Glück gab es die typisch ecuadorianische scharfe Sauce am Tisch, die mir persönlich sehr gut schmeckt. Kalte Pommes konnte aber selbst die Sauce einfach nicht mehr retten.

Am Nachmittag kam die Sonne noch einmal raus und wir (das sind Lina, Marie, Louis und ich) haben uns einfach an den Pool gesetzt und ein wenig UNO gespielt und das gute Wetter genossen. Das Abendessen war etwas besser, weil es Burger gab und die auch kalt geschmeckt haben.

Das Abendprogram war eine Talentshow, auf die ich mich zusammen mit Marie und Louis bereits seit einer Woche vorbereitet habe. Jedes Land sollte etwas präsentieren. Da wir aber über 30 Deutsche sind, gab es aus unserem Land noch eine weiter Gruppe, die Standard getanzt hat. Wir haben es eher mit Humor genommen und eine kurze Comedy-Inszenierung eingeübt über typische Vorurteile gegenüber den Deutschen. Wir haben damit angefangen und ich denke es ist ganz gut bei den anderen angekommen. Ich kann hier leider keine Videos hochladen, aber vielleicht stelle ich einige Ausschnitte auf Instagram.

Nach einigen guten und weniger guten Auftritten war die Show kurz vor Mitternacht zu Ende und wir gingen mehr oder weniger alle ins Bett. Einige haben noch ein wenig gefeiert, haben aber ärger von Rotary dafür bekommen. Wir sind artig ins Bett gegangen. Geschlafen habe ich nicht sonderlich gut. Marie und ich bewegen uns beide viel im Schlaf und ich bin des Öfteren aufgewacht, weil sie mich geschlagen oder getreten hat. Ich glaube aber ihr ist es mit mir auch nicht besser gegangen, da ich mich ebenfalls sehr breit im Bett gemacht habe.

Am Samstag sind wir mit dem Bus auf Tour gefahren. Aufgeteilt in zwei Reisebussen sind wir erst zum angeblich schönsten Strand Ecuadors gefahren: „Playa de los Frailes“. Dort hatten wir etwas mehr als eine Stunde Zeit zum Schwimmen und das Wetter war wirklich bombastisch gut. Die Sonne hat mich innerhalb weniger Minuten wieder getrocknet.

Danach ging es weiter zum Mittagessen zu einem anderen Strand. Leider war das Essen auch dort kalt und geschmackslos, aber der Hunger hats reingetrieben wie man so schön sagt. Danach haben wir noch schnell ein Eis gekauft, bevor es weiterging zu einem kleinen Museum im Landesinneren über die indigene Bevölkerung der Küste. Dummerweise hat man uns vorher nicht darüber informiert, dass wir dort 20 Minuten zu einer Lagune spazieren, weswegen wir mit unseren absolut ungeeigneten Badelatschen durch Dschungelähnliche Vegetation gelaufen sind. Mein Körper ist nun ziemlich zerstochen, weil die Mücken da einen aufgefressen haben, trotz Mückenspray. Die Lagune an sich hat ziemlich gestunken, weswegen wir uns dagegen entschieden haben darin zu baden. Einige haben sich tatsächlich hineingewagt. Die kostenlose Schlammpackung fürs Gesicht haben wir allerdings ausprobiert, das soll schließlich gut für die Haut sein. Dann ging es wieder zurück zum Museum. Eigentlich wollten wir noch zu einem Strand fahren, wo es Schildkrötennester gibt und wo zu dieser Zeit die Schildkröten schlüpfen, leider hatten wir dazu durch die Summierung der ständig verspäteten Aufbrüche keine Zeit mehr, da es bereits Dunkel wurde. Also ging es einfach nur wieder zurück zum Hotel.

Nach dem Abendessen haben wir schon einmal Koffer für den nächsten Morgen gepackt, denn danach gab es noch einmal offizielles Abendprogram mit Rotary. Das Königspaar der Reise wurde gekrönt. Unsere deutsche Kandidatin gewann den Titel der Königin und ein Schweizer wurde ihr König. Das Ganze hat bis kurz vor Mitternacht gedauert, sodass wir alle nach dem anstrengenden Tag quasi einfach ins Bett fielen.

Am nächsten Morgen hieß es bereits wieder Abschied nehmen. Das war Scheiße, denn wir werden uns erst im Dezember wiedersehen auf der Amazonastour. Ich habe richtig gute Freunde unter den Austauschschülern gefunden und wir halten hier guten Kontakt, obwohl wir im Land verteilt wohnen, lustigerweise in Deutschland aber alle nahe beieinander. Die anderen drei Wohnen nämlich in Unna, Köln und Aachen und das ist von mir aus nun wirklich nicht allzu weit. Darüber bin ich wirklich froh, denn so fällt es leichter auch danach noch Kontakt zu halten, denn ich glaube durch so etwa wird man Freunde fürs Leben. Besonders Marie macht hier gerade eine harte Zeit durch, weil sie sehr viele Probleme mit ihrer Gastfamilie hat und es sehr schwierig ist mit Rotary hier vor Ort. Aber das ist eine ganz andere Sache, die ich an dieser Stelle nicht weiter erläutern möchte.

Der Abschied am nächsten Morgen viel natürlich schwer, aber ich war tatsächlich froh wieder nach Hause zu kommen, weil es doch stressig war. Die Stimmung an sich war etwas komisch für mich. Es ging irgendwie bei den meisten nur darum wie gut alles läuft und wie chillig die Gastfamilie ist mit Themen wie Alkohol und so. Die Gesprächsthemen generell waren für meinen Geschmack einfach unpassend und dieser unterschwellige Konkurrenzkampf um alles ging mir einfach auf die Nerven. Ich weiß nicht, ob es nur mir so ging, aber was das anging fand ich die Reise nicht ganz so gut. Der Strand war wirklich toll und auch mit meinen Freunden auch, aber mit den anderen Austauschschülern klappt es nicht so gut. Wir verstehen uns gut und bis jetzt gab es noch keinerlei Eskalation oder so, aber die Meisten haben einfach eine Lebenseinstellung und Art sich darzustellen und sich zu Verhalten, die mich unwohl fühlen lässt. Ich weiß nicht ob ihr versteht was ich meine, aber ich fühle mich tatsächlich hier in der Schule in der Gesellschaft meiner Freunde deutlich wohler. Ich bin glücklicher als die letzten Jahre in Deutschland und das ist mir jetzt erst wirklich bewusst geworden.

Ich habe beinahe die gesamte Rückfahrt verschlafen, ebenso wie die meisten anderen in meinem Bus. Ich glaube niemand hat wirklich viel Schaf bekommen auf der Reise deshalb war das auch nichts Überraschendes. In Alóag sind wir aus den Dörfern wieder aus dem Reisebus ausgestiegen und mussten dann noch eine gute halbe Stunde auf unseren Transfer warten. Dann ging es endlich zurück nach Latacunga. Meine und Alessandras Gasteltern haben mal wieder in Punkto Pünktlichkeit versagt und wir haben alle noch etwa 10 Minuten aufgehalten bis meine Gastmama mit meiner Gastschwester da waren.

Wir sind dann alle zusammen noch ins Einkaufszentrum gefahren, wo Alessandra dann von ihren Eltern eingesammelt wurde. Ich musste dann noch mit meiner Familie zusammen einkaufen gehen und danach haben wir noch meine Gastoma besucht und waren deswegen erst 2 1/2 Stunden später zuhause, also gegen kurz nach 9 Uhr. Das fand ich ein wenig blöd, weil ich wirklich fertig war von der Reise und eigentlich nur noch nach Hause ins Bett wollte. Ich musste dann noch meinen Koffer auspacken und die Wäsche in die Waschmaschine schmeißen und mir mein Abendbrot machen. In dem Moment habe ich mich wirklich wieder ein wenig ignoriert gefühlt, weil ich meiner Gastmama erklärt habe, dass ich wirklich fertig bin und möglichst schnell nach Hause möchte. Sie hat mir zwar zugestimmt, dann aber trotzdem noch stundenlang mit der Oma gequatscht. Naja, so ist das Leben halt und ich habe es schließlich doch überlebt.

Im Fazit fand ich die Reise eigentlich sehr gut. Sie war zwar immer noch etwas chaotisch, aber immer noch deutlich organisierter, als auf Mompiche vergangenen Monat. Trotzdem hat mir die Stimmung unter den Austauschschülern ein wenig die Freude gedämpft. Es ist zwar bis jetzt nichts eskaliert, aber ich denke es dauert nicht mehr lange, dass sich die 81 Austauschschüler nicht mehr alle so lieb haben wie bisher. Es zeichneten sich schon erste Unstimmigkeiten und Spannungen ab und es gab quasi eine Spaltung in zwei Gruppen: diejenigen, die vor haben sich an die Regeln zu halten und diejenigen, die sich dafür nicht interessieren und lieber ihre Grenzen austesten wollen. Ich habe eigentlich auch nichts anderes erwartet, hatte aber die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass es friedlich bleibt. Was mich allerdings sehr freut, dass ich meinen Freundeskreis unter den Austauschschülern haben und dass wir uns sehr gut verstehen und ins in den zentralen Weltansichten mehr oder weniger einig sind. Ich mag meine Freunde hier sehr und ich hätte nicht gedacht, dass zuvor beinahe fremde Menschen so schnell zu sehr guten Freunden werden können, obwohl sie hier vor Ort mehrere hundert Kilometer entfernt wohnen. Als nächstes steht die Reise in den Dschungel an. Diese wird wahrscheinlich erst Mitte Dezember stattfinden, also vergeht wahrscheinlich noch etwas Zeit, bis ich meine Freunde wiedersehen. Zum Glück kann man heutzutage leicht über WhatsApp und Co Kontakt halten und wir sehen uns regelmäßig im Videochat.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sina (Freitag, 26 Oktober 2018 18:42)

    Hallo liebe Jana, wirklich sehr schöne Fotos.....und wie immer fühle ich mich ,als wäre ich mit dir dort.
    Lg lass es dir gut gehen