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Cotopaxi und Mama Negra

Am Mittwochabend habe ich mich mit ein paar Freunden getroffen. Zuerst haben wir alle zusammen bei Pedro im Haus selbstgemachte Burger gegessen. Danach sind wir pünktlich zu Halloween ins Kino in den Film „Halloween“ gegangen. Der Horrorfilm war schon ab 12 Jahren freigegeben, dementsprechend hatte ich die Hoffnung, dass er nicht ganz so schlimm ist. Wer mich kennt weiß, dass ich eh schon eine sehr schreckhafte Person bin und dementsprechend normalerweise alle Filme aus diesem Genre meide. Trotzdem wollte ich aber lieber mit meinen Freunden abhängen, als mit meiner Gastschwester auf die Halloweenparty zu gehen und ich habe die Entscheidung nicht bereut. Klar habe ich mich ständig erschrocken bei dem Film, aber ich war bei weitem nicht die Einzige in unserer Gruppe und ich glaube der einzige, der nicht ein einziges Mal gezuckt hat, war Pedros kleiner Bruder Fran, der gerade mal 12 ist.

 

Am nächsten Tag haben wir uns schon für früh am Morgen verabredet und sind mit einer Gruppe von 10 Leute zusammen zum Cotopaxi gefahren. Erst hat Pedro uns alle eingesammelt und wir sind zusammen zur Rosenplantage seiner Eltern gefahren. Sein Vater hat uns dort noch ein wenig den Betrieb gezeigt und wir konnten noch einmal auf die Toilette gehen, bevor es in einem Kleinbus weiterging. Ein Mitarbeiter hat uns ab da gefahren. Allein die Straßen bis hin zum Nationalpark Cotopaxi waren schon ein echtes Abenteuer. Am Eingang angekommen mussten wir uns alle mit Ausweisnummer registrieren, bevor es dann weiterging. Die Straßen nach diesem Punkt glichen eher einer schlecht gepflegten Schotterpiste und ich bin echt froh, dass unsere Fahrer das ohne Unfall hinbekommen hat. Wie üblich auf einem Roadtrip lief die ganze Zeit Musik und wir haben laut mitgesungen und viel miteinander gelacht. Dank meiner Reisetabletten ist mir zum Glück auch nicht allzu schlecht geworden. Den ersten Zwischenstopp machten wir an einer kleinen Lagune. Dort nutzten wir die Chance ein Gruppenfoto zu machen, blieben aber nicht lange dort, da der See nicht sonderlich spektakulär war.

 

Danach ging es weiter hoch auf den Cotopaxi. Die Serpentinen waren beinahe unbefahrbar und nicht wenige andere Autofahrer drehten vor dem Erreichen des Parkplatzes um. Unser Busfahrer hat alle Unebenheiten mit einem Schulterzucken hingenommen und wir erreichten ohne größere Probleme nach einer holprigen Fahrt den Parkplatz unterhalb des Refugiums. Von dort aus sah es nach einem sehr kurzen Weg bis zu der Berghütte aus, aber das täuschte gewaltig. Man vergisst schnell, dass man auf über 4000m ist, bis man die ersten Meter gelaufen ist. Die erste Pause machten wir kaum 5m vom Parkplatz entfernt. Einer aus unserer Gruppe betreibt professionell Trekking. Erick ist dann vorgelaufen und hat den Weg schon mal erkundet. Im Endeffekt ist er dreimal rauf und runter gelaufen, während wir anderen fast dabei gestorben sind. Der ganze Weg bestand aus Schotter und man hat einfach überhaupt keine Luft bekommen. Wir haben uns zusammen von einem großen Felsen zum anderen vorgearbeitet und dann immer schön eine Pause eingelegt und uns hingesetzt. Mein Herz hat einfach gerast und die Atmung wollte sich wirklich kaum beruhigen. Gemeinsam haben wir es aber alle bis zur Berghütte geschafft. Gegenseitig haben wir uns den Berg hochgezogen und hochgeschoben. Erick hat zusätzlich noch ein paar Tipps gegeben wo der Boden weniger rutschig ist. Oben angekommen haben wir uns erstmal reingesetzt, da es anfing zu schneien. Der Schnee blieb nicht liegen, aber es war trotzdem verdammt kalt. Wir tranken alle einen Kakao und den Kaffee, den wir selbst mitgebracht hatten und den Erick netterweise mit hochgetragen hat. Dort haben gab es zum Glück auch nochmal eine Toilette. Ich glaube wir haben eine gute halbe Stunde dort oben verbracht, dann haben wir noch ein paar Fotos gemacht, bevor es wieder abwärts ging.

 

Der Abstieg war nicht weniger anstrengend, da es eine reine Rutschpartie war. Wir haben uns gegenseitig an die Hände genommen, um uns vor dem Hinfallen zu bewahren. Ich glaube trotzdem hat jeder von uns mindestens einmal auf dem Boden gesessen. Es hat sich aber niemand wehgetan und wir sind alle wohlbehalten am Bus angekommen. Dort haben wir alle erstmal ein bisschen Obst gegessen, was ich mitgebracht hatte und haben uns dann beraten wo wir zum Mittagessen hingehen. Wir haben uns für die Mall in Latacunga entschieden, da wir uns nicht einigen konnten was wir essen wollen und dort konnte sich jeder kaufen was er wollte und es gab eine große Auswahl. Mit dem Bus ging es also zurück zur Rosenplantage und von dort aus mit dem Auto weiter nach Latacunga. Es war ganz schön eng mit 10 Personen in einem Auto mit 7 Sitzen, aber hier in Ecuador macht man das halt so. Im Bus vorher habe ich ein kleines Nickerchen eingelegt, weil ich die Nacht zuvor wenig Schlaf bekommen hatte. Nach dem Kino war ich erst um etwa halb 2 Zuhause, weil wir Fáti noch von der Party abgeholt hatten und mein Papa sich dabei ein wenig verfahren hat. Nach nur knapp 5 Stunden schlaf und dem Aufstieg auf den Cotopaxi war ich einfach platt.

 

In der Mall angekommen habe ich mir einen großen Burger mit allem was das Herz begehrt bestellt. Dazu gab es „Sauca alemana“, also deutsche Sauce, die nichts anderes war als Mayonnaise mit Schnittlauch. Ich habe keine Ahnung warum das als deutsche Sauce betitelt wurde, aber die Hauptsache war, dass es gut mit den Pommes geschmeckt hat. Von dort hat mich meine Gastmama dann auch abgeholt und wir sind nach Hause gefahren. Eigentlich wollte ich dort nur einen kurzen Mittagsschlaf machen, aber ich habe meinen Handywecker gekonnt verschlafen. Deshalb bin ich gegen 10 Uhr nachts nochmal aufgewacht, habe mich letztendlich dann bettfertig gemacht und bin wieder schlafen gegangen. Mein Körper hatte es offensichtlich sehr nötig.

 

Am Freitag dann hatte ich höllischen Muskelkater vom Bergsteigen. Mei Hinter tat dermaßen weh, dass ich mich kaum setzten konnte. Zu meinem Pech stand aber ein großes Familientreffen an, da man das hier üblicherweise am zweiten November macht. Das bedeutete wir sind zum Mittagessen nach Salache gefahren und haben dort einen Teil der Familie getroffen. Das Essen und anschließende Kaffeetrinken dauerte bis spät in den Abend. Lichtblick des langweiligen Tages war, dass ich eine Runde auf dem Pferd meines Onkels reiten konnte. Ich bin ein paar Minuten im Schritt über die Wiese gewatschelt. Das hat meinem Muskelkater natürlich besonders gutgetan, aber ich wollte mir die Chance nicht entgehen lassen mal auf einem Pferd zu sitzen.

 

Am Samstag stand dann das größte Volksfest Ecuadors in meiner Stadt an: „Mama Negra“ Im ersten Teil dieses Festes, der im September stattgefunden hat, geht es um die Ehrung der Schutzpatronin des Vulkanes Cotopaxi, die die Bewohner des Gebietes vor einem Ausbruch des noch aktiven Vulkans schützt. Im zweiten Teil, der jedes Jahr in der ersten Novemberwoche stattfindet feiern die Latacungener Jahr für Jahr ihre Unabhängigkeit. Es findet eine Parade mit populären Charakteren aus den Bereichen Militär, Zivil, Kirche und Mythos statt. Die Besetzung wird jedes Jahr erneut auf Grundlage von Leistungen für die Gesellschaft ausgewählt. Das Fest zieht geschätzt mehr als eine Million Besucher aus ganz Ecuador an. Der Festumzug ist wirklich interessant anzusehen, aber wie auf vielen Großveranstaltungen wird sehr viel Getrunken und die Menschen sind sehr respektlos. Fáti und ich durften deswegen auch nur an einem bestimmten Ort mit unseren Freunden bleiben, vor dem Haus einer Klassenkameradin. Dort habe ich mich auch mit ein paar meiner Freunde getroffen und wir haben sogar Sitzplätze ergattern können. Die Stimmung in den ersten beiden Stunden war echt gut, aber je mehr Alkohol getrunken wurde, desto ungemütlicher wurde es für uns. Es gehört mit zum Brauchtum, dass kostenlos Alkohol von den Teilnehmern der Parade verteilt wird. Ständig muss man sich dagegen wehren, dass einem Schnaps in den Hals gekippt wird. Es gibt zum Beispiel Leute, die schwarz geschminkt sind und einem ein paar Verse als Weissagung sagen und dann muss man für die Erfüllung einen Schluck aus der Schnapsflasche nehmen. Die Leute nehmen aber kaum Rücksicht darauf, wenn man den Alkohol ablehnt und manche muss man wirklich wegschubsen, damit sie einen nicht belästigen. Meine Freunde habe zwar gut auf mich aufgepasst und wenn man wie wir zu mehreren war, konnte man sich gut wehren, aber trotzdem hat das die Stimmung etwas runtergezogen. Nachdem die Mama Negra vorbeigelaufen war, haben wir alle das Fest verlassen. Ich bin mit meinem Papa und meiner Schwester in das Haus meiner Großmutter zurückgekehrt, was ganz in der Nähe war und die anderen sind nach Hause gefahren. Bei der Großmutter haben wir dann noch Mittag gegessen und meine Mama und meine Tante haben ihre betrunkenen Ehemänner ins Bett manövriert, denn die beiden hatten jede Chance auf Alkohol mitgenommen und deswegen schrecklich betrunken. Zusammen mit meiner Schwester und meiner Cousine Aleja, habe ich mich auch in ein Zimmer zurückgezogen, und einen kurzen Mittagsschlaf gemacht. Am Abend haben wir noch Kaffee getrunken und Toast gegessen. Dann ging es für mich und meine Eltern heimwärts, während Fáti mit ein paar Verwandten zu einer Afterparty aufgebrochen ist.

 

Das Fest an sich hat mir eigentlich gefallen, denn die klassischen Trachten und Kostüme waren echt interessant anzusehen, aber das Ambiente und die mangelnde Sicherheit, trotz der Anwesenheit unzähliger Polizisten machen das Ganze weniger entspannt. Wenn man ständig auf der Hut sein muss und aufeinander aufpassen muss, damit nichts passiert, mag einfach keine ausgelassene Stimmung aufkommen. Zu allem Überfluss habe ich mir auch noch einen leichten Sonnenbrand im Gesicht geholt, trotz Sonnencreme, da die Sonne einfach geknallt hat an diesem Tag. Gott sei Dank hat sich die Rötung jetzt am Sonntag schon wieder etwas beruhigt und es sieht nicht mehr ganz so Tomatenfarben aus.

 

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