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Navidad compartida

Da mein Counselour es total verpeilt hat mir rechtzeitig Bescheid zu geben, kam erst am Freitagabend vorher der Anruf, dass ich doch bitte um halb neun morgens zu einer Rotaryaktion kommen sollte. Ich war noch auf der Weihnachtsfeier von der Schulklasse und habe erst davon erfahren, als Rosy mich dann früher abgeholt hat. Die Entscheidung, ob ich mitkomme oder nicht, habe ich aber auf den nächsten Morgen verschoben. Zum Glück ging es mir dann Samstagmorgens wieder besser und ich habe dann entschieden das Risiko auf mich zu nehmen. Wir sind nämlich hoch ins Gebirge gefahren zu einer sehr abgelegenen Schule, wo es keine vernünftigen Sanitäranlagen gab.

 

Alleine die Anreise war ein echtes Abenteuer, weil wir nach einer halben Stunde die befestigte Straße verlassen haben und eine gute Stunde auf Feldwegen durch die Berge gefahren. Die Straßen waren wirklich nur mit den Geländewagen befahrbar mit denen wir angereist sind (Zum Glück hatten genug Rotarier geeignete Autos). Ich hatte zwischendurch einen leichten Anflug von Panik, weil es mehrere Meter runter ging neben der Fahrbahn und es keinerlei Befestigung oder Leitplanken gab.

 

An der Schule angekommen, wurden wir sofort herzlich Empfangen und die Menschen dort haben es wirklich wertgeschätzt, dass wir die weite Anreise auf uns genommen haben. Die Bewohner der Bergdörfer haben wirklich fast nichts und es war erschreckend wie nah sie dann doch an Städten wie Latacunga wohnen, wo man alles Lebensnotwendige hat. Dort oben gibt es kaum Strom und fließend Wasser. Erst Rotary hat in einigen der Dörfer überhaupt Wasserversorgungen installiert. Die Kinder laufen teilweise mehr als zwei Stunden bis zur Schule. Dort gibt es nicht genug Lehrer oder Räume für alle Klassenstufen, sodass mehrere Altersgruppen zusammen unterrichtet werden. In jeder Klasse gab es meist nur vier oder fünf Kinder im selben Alter. Rotary hat für die insgesamt etwa 50 Kinder aller Altersstufen ein kleines Weihnachtsessen besorgt, mit Wackelpudding, Chips, Kuchen und Getränken. Durch die Landwirtschaft sind die Menschen dort immerhin gut mit Lebensmitteln wie Kartoffeln und Bohnen versorgt, aber besonders solche Süßigkeiten gibt es überhaupt nicht. Die Kinder hatten zunächst sogar beinahe Hemmungen wirklich richtig zuzuschlagen und es war so schön die Freude in ihren Augen zu sehen. Auch für die Eltern und kleineren Geschwister hatten wir genug mitgenommen und selbst die kleinsten Kinder haben Weihnachtsgeschenke bekommen. Auch für alle Schüler gab es Weihnachtsgeschenke. Es war so schön zu sehen wie sehr sich einige Jungs über die Fußbälle und Bagger gefreut haben und die Mädchen sofort angefangen haben mit den Puppen zu spielen. Neben diesen Geschenken haben wir auch jede Menge Kleidung mitgebracht und verteilt. Beim anprobieren hatten die Kinder teilweise Angst etwas nicht Passendes wieder herzugeben und gegen etwas Besseres zu tauschen, aus Angst, dass sie dann nichts bekommen. Manche hatten nicht einmal Socken in ihren Schuhen an, weil vernünftige Kleidung dort Mangelware ist.

 

Es war eine schöne Erfahrung Leuten helfen zu können, die die Hilfe wirklich gebraucht haben. Der Schulleiter hat auch eine sehr bewegende Dankesrede gehalten und sich bestimmt tausend Mal bei jedem Einzelnen bedankt. Die Mütter haben uns sogar ein paar der frischen Kartoffeln und Bohnen gekocht, um sich zu bedanken. Erstaunlicherweise hatte diese lilafarbene Kartoffelsorte einen sehr frischen Geschmack und hat sogar mir gut geschmeckt.

 

Nach der Hilfsaktion sind wir zu einer Hacienda weitergefahren, denn dort hatte der Clubpräsident einen Grillnachmittag organisiert. Neben leckerem Essen und süßen Kühen, die man dort angetroffen hat, wurde auch viel getanzt. Die etwas älteren Herren hatten sehr viel Spaß daran mir ein paar Tänze beizubringen. Neben Salsa und Samba haben wir noch einige Gruppentänze gemacht (sogar Makarena) und selbst ein über 80 Jahre alter Herr hatte mehr Hüftschwung und konnte besser Twerken als ich.

 

Neben Alessandra waren noch Cami und Juan Emilio aus unserer Klasse da. Wir haben die meiste Zeit mit Juan verbracht, dessen Großeltern Rotarier sind und haben uns gut unterhalten können. So wurde es zum Glück nicht langweilig und ich war fast traurig, als mein Counselour und seine Frau dann schon um kurz vor 21 Uhr nach Hause fahren wollten und ich mit ihnen mitmusste, da sie mich Zuhause abgeliefert haben.

 

Der Tag war eine interessante Erfahrung. Nie hätte ich gedacht wie nah die Armut doch sein kann. Mit Leuten zu reden, die wirklich nichts in ihrem Leben haben und technisch gesehen eigentlich in der Vergangenheit leben, hat mir ziemlich bewusst gemacht, was für einen Luxus wir hier selbst in Latacunga haben (was man noch lange nicht mit Deutschland vergleichen kann). Es ist erschreckend, dass es immer noch so viele Menschen gibt, die nicht einmal fließendes Wasser in ihren Häusern haben und von Elektrizität träumen. Von Internet brauch man gar nicht erst zu reden. Trotzdem sind diese Leute auf ihre Art und Weise zufrieden mit ihrem Leben und sind dankbar für alles was darüber hinausgeht.

 

Ich bin dankbar, dass Rotary mir auch diese Erfahrung möglich gemacht hat und dass auch ich ein paar Kindern ein Lächeln schenken konnte.

 

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