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Die erste Schulwoche

Mit jedem Tag gewöhne ich mich etwas mehr an die etwas andere Form des Unterrichts hier. Besonders erfreut war ich, als Alessandra, die andere Austauschschülerin in meiner Stadt, am Mittwoch in meine Klasse wechselte. An diesem Tag stand morgens erstmal eine Stunde Sportunterricht an. Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, aber der Sportunterricht sieht hier etwas anders aus als in Deutschland. Wir haben geübt in Reih und Glied nach Geschlechtern und Größe sortiert zu marschieren. Alessandra und ich sind die zwei größten Mädchen in der Klasse und mussten deshalb ganz vorne gehen Da wir beide die Anweisungen nicht so hundert Prozent verstanden und umsetzen konnten. Zudem war es ziemlich kalt auf dem Sportplatz, da wir nur die dünnen Jogginganzüge anhatten. Ich ziehe zwar immer noch ein paar Schichten Klamotten unter die Uniform, aber auch das hilft nicht immer weiter.

 

In den anderen Fächern komme ich eigentlich ganz gut mit. Nur in Physik verstehe ich wirklich nicht worum es eigentlich geht, da ich das letzte Mal Physik in der achten Klasse hatte. In Chemie und Bio hingegen komme ich ganz gut klar, da mir die meisten Dinge bereits aus Deutschland bekannt sind und das Verständnis so erleichtert wird. Auch die Hausaufgaben kann ich mehr oder weniger alle problemlos machen.

 

Lustigerweise haben wir festgestellt, dass Alessandra, eine Klassenkameradin und ich alle am selben Tag Geburtstag haben. Wir haben jetzt schon darüber gesprochen vielleicht einfach gemeinsam zu feiern, da das vieles erleichtert.

 

Insgesamt ist das Chaos sehr gewöhnungsbedürftig, aber man findet sich damit ab. Ich kann mich mit meinen Sitznachbarn Fáti und Alessandra gut unterhalten und es wird dadurch weniger langweilig.

 

Am Mittwochnachmittag bahnte sich bereits die nächste Erkältung bei mir an. Ich fühlte mich schlapp und blieb den Nachmittag zuhause und versuchte so viel wie möglich zu schlafen, bevor mein Counselour mich am Abend besuchte, um mir mein Taschengeld zu geben und zu fragen wie es mir so geht. Das fand ich sehr nett. Er hat mich für die nächste Woche zu sich zum Essen eingeladen, damit ich seine Familie kennenlernen kann und wir uns ein wenig länger unterhalten können. Darauf freue ich mich schon.

 

Am Donnerstag nach der Schule hatte ich bereits Kopfschmerzen. Es holte uns mein Gastopa von der Schule ab, da er Geburtstag hatte und gemeinsam mit einer Cousine und einem Cousin gingen wir in ein kleines Restaurant zum Mittagessen. Mir ging es zunehmend schlechter, deswegen gab meine Gastoma mir eine Schmerztablette. Im Haus der Großeltern durfte ich mich dann ein wenig hinlegen und schlief direkt bis zum frühen Abend ein wenig bis die restlichen Gäste zum "kleinen" Kaffeetrinken eintrafen. Auch meine Gasteltern kamen aus Quito zurück. Nach der Siesta war meine Nase komplett zu. Ein Onkel der Familie ist Arzt. Er hat meinen Gasteltern dann gesagt, welche Tabletten am besten dagegen helfen. Er meinte meine Anfälligkeit für Krankheiten liegt sehr wahrscheinlich an einem Vitaminmangel. Das ist durchaus plausibel, da es hier selten Gemüse oder Obst zum Essen gibt. Meist wird Reis mit Hühnchen und Sauce gegessen. In Zukunft werde ich wohl versuchen, dass wir mehr Obst im Haus haben, damit ich nicht so schnell wieder krank werde. Heute (Freitag) bin ich deswegen nicht in die Schule gegangen, da ich Fieber hatte. Gesundheit geht vor. Ich hoffe möglichst schnell wieder fit zu sein, um endlich Sport hier machen zu können. Mir fehlt die Routine, die ich von Deutschland gewohnt bin und merke, dass mir das unheimlich fehlt.

 

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