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Weihnachten

 

 

Bis Mittwoch haben wir in der Schule noch normal Unterricht gemacht, aber es gab zum Beispiel keine Hausaufgaben mehr. Ab Donnerstag konnte man dann wirklich schwerlich noch von Unterricht sprechen. Donnerstag hat der Schülerrat eine Veranstaltung zur Feier des „Alten Jahres“. Dazu haben sich aus jeder Stufe einige Jungs als Frauen verkleidet und haben jeweils einen Tanz aufgeführt und sich kurz vorgestellt. Normalerweise ist das ein Brauch, der am 31.12. auf den Straßen praktiziert wird und die Passenten zahlen jeweils ein paar Cent für die Darbietung. Wir haben in der Pause davor einem Freund aus der Abschlussklasse noch schnell beigebracht, wie man mit Absätzen läuft. Die Vorstellungen waren sehr lustig und es hat mich überrascht wie viele Jungs freiwillig mitgemacht haben und sich richtig ins Zeug gelegt haben dafür.

 

Am Freitag gab es dann nur noch die Abschlussveranstaltung mit einem einstudierten Krippenspiel der Jüngsten der Schule und der Abschlussklasse. Die Kleinen haben zwischen den Szenen immer wieder getanzt. Das war eigentlich ganz süß, aber wir restlichen Schüler hatten nur seitliche Sitzplätze hinter der eigentlichen Bühne und nur eine sehr schlechte Sicht auf das Dargebotene.

 

Am Wochenende haben uns dann Freunde meiner Mama aus Guayaquil besucht. Das Haus war also voller Leute und es gab Baguette mit Schinken zu Essen sowie einen leckeren Apfelkuchen.

 

Samstagmorgens war ich aber noch mit meiner Mama und Fáti einkaufen, weil sie mir auch etwas zu Weihnachten schenken wollte, aber etwas was mir wirklich gut gefällt. Deswegen sollte ich mir selber was zum Anziehen aussuchen und habe mich für eine Bluse und ein T-Shirt entschieden.

 

Sonntag sind wir dann mit ihnen um die Felder gezogen und wir haben nicht nur Kühe besucht, sondern auch den aufwendig gestalteten Garten mit exotischen Pflanzen eines Onkels besucht. Das war das erste Mal, dass ich hier meine nähere Umgebung erkunden konnte und es hat sehr viel Spaß gemacht. Am Abend waren wir dann noch bei einem weiteren Weihnachtsessen von einer Freundesgruppe meiner Eltern. Dort war es relativ langweilig, aber das Haus des Gastgebers war gigantisch. Im Wohnzimmer hing sogar ein Weihnachtsschlitten mit Rentieren und Weihnachtsmann von der hohen Decke.

 

Heiligabend an sich fing unspektakulär an. Ich habe mir wie immer allein mein Frühstück gemacht und dann meine Eltern in Deutschland angerufen. Die haben mir dann schweren Herzens erzählt, dass sie mir eigentlich ein Paket zur Überraschung geschickt hatten, dass aber seit mehr als einem Monat aus unverständlichen Gründen im Zoll feststeckt und bisher ist es meinen Gasteltern trotz aller Bemühungen noch nicht gelungen es zu Befreien. Da waren nicht nur typische Weihnachtssüßigkeiten drin, sondern auch ein paar andere nützliche Dinge, wie meine Badekappe und etwas Kaffee. Das hat meine Stimmung am Morgen ziemlich runtergezogen. Einerseits war ich glücklich, dass sie mir doch ein Paket gepackt haben, denn das verschicken ist teuer und sie haben mir immer gesagt, dass sie das nicht machen werden. Dann aber sehr traurig, dass so viele Sachen nicht angekommen sind, die mir echt ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hätten.

 

Ich habe meinen Gasteltern und meiner Schwester auch jeweils zumindest eine Kleinigkeit besorgt, worüber sie sich sehr gefreut haben.

 

Am Nachmittag sind wir dann zu meinen Großeltern väterlicherseits gefahren und haben dort mit einigen Cousins und den beiden Brüdern und der Schwester meines Vaters Geschenke ausgetauscht. Ich habe einen warme Sportpulli bekommen und von meinen Großeltern Schokolade. Von dort aus sind wir dann zu meiner Tante Pipi gefahren, wo sich der Großteil der Familie Cepeda getroffen hat. Es waren sicherlich an die 40 Leute in dem Haus in allen Altersstufen. Nachdem wir den letzten Tag der Novena gefeiert haben und gesungen haben, wurden die Wichtelgeschenke verteilt. Ich habe eine Mütze und einen passenden Schal bekommen. Wir haben es sogar geschafft ein kleines Familienfoto vor dem Weihnachtsbaum zu machen, zusammen mit meinen Eltern und meiner Schwester. Zum Essen gab es neben dem klassischen Truthahn mit Erdnusssauce auch Schwein und Champignonsauce zur Auswahl, worüber ich mich sehr gefreut habe, da das Andere nicht so mein Fall ist. Dazu gab es Reis, der mit Käse und Mais vermengt war und normalen Salat. Zum Nachtisch gab es dann Weihnachtskuchen mit Rosinen und allerlei anderen trockenen Früchten und als Alternative Cake-Pops, die dann eher meins waren. Ich bin jedenfalls gut satt geworden und habe mich in der Gesellschaft recht wohl gefühlt.

 

Am nächsten Tag ging es dann noch einmal zum Mittagessen zu den anderen Großeltern. Das war nicht weiter spannend, da wir die Geschenke ja schon am Vortag getauscht hatten. Von da aus sind wir zum obligatorischen Restessen noch einmal zu meiner Tante gefahren und haben mit einem Kartenspiel den Tag ausklingen lassen.

 

Mittwoch ist meine Schwester mit meiner Cousine Aleja und einigen Anderen zum Cotopaxi gefahren. Ich habe mich im letzten Moment dazu entschieden nicht mitzugehen, weil ich mich in der Gesellschaft, der mir fremden Leute sehr unwohl gefühlt habe und der Fahrstil unzumutbar war. Der junge Mann, der gefahren ist, ist nicht nur gerast und hat der Straße wenig Aufmerksamkeit geschenkt, nebenbei hat er auch noch im Auto geraucht. Das war mir dann in dem Moment einfach zu viel und ich bin mit meinem Papa alleine Zuhause geblieben. Er hat dann ein Treffen zum Reiten mit Bekannten arrangiert. Diese haben wir dann auf ihrer Farm besucht und nach einer Vorstellungsrunde bei den Zuchtstuten mit den Fohlen und den Jährlingen, durfte ich eine Runde mit Ausreiten gehen. Zusammen mit dem Stallmeister Nelson und der Tochter des Farmbesitzers Barbara habe ich dann eine kleine Runde um die Felder gedreht. Das Pferd, dass ich geritten bin, war sehr gelassen und gut ausgebildet. Wir sind auch ziemlich viel getrabt, was mir heute dann ein wenig Muskelkater geschenkt hat, aber das war es wert. Der Besitzer hat mir dann gesagt, dass ich immer wiederkommen darf, wenn ich möchte, da er selber in Quito lebt und sich eigentlich nur der Stallmeister um die Pferde kümmert. Dem soll ich ein wenig unter die Arme greifen und darf dann zum Reiten kommen. Das großzügige Angebot habe ich natürlich gerne angenommen. Das war eigentlich das schönste „Weihnachtsgeschenk“ was ich bekommen habe und hat auch meine schlechte Laune wieder etwas aufgeheitert.

 

Wir versuchen weiterhin zumindest ein Teil des Paketes zu bekommen, aber hier ist sowas alles etwas schwieriger als man denkt. Es dauert ewig bis überhaupt eine Antwort kommt und die Begründungen sind immer noch unklar, warum wir das Paket nicht bekommen.

 

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